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Die im November 1822 komponierte Wandererfantasie
ist, obwohl der Komponist den Vortrag durch hohe technische Anforderungen beträchtlich erschwert, kein Virtuosenstück
im Sinne einer artistischen Paradenummer - sie wäre sonst nicht die vollblütige Musik Schuberts, die sie ist. Sie ist
eine frei gestaltete Fantasie, zugleich aber eine auskomponierte, obgleich nicht in allen Details durchkomponierte Sonate mit
homogenen Übergängen zwischen den einzelnen Sätzen.
Die Wandererfantasie ist eine Vergöttlichung, eine Apotheose der Wanderschaft. Der nachträglich erfundene programmatische Titel
spielt auf ein Selbstzitat aus dem frühen Lied Der Wanderer im Adagio der Komposition an.
Der Text des Liedes kommt Schubert zunächst unter dem Titel Der Flüchtling in die Hände.
Sicher handelt es sich dabei nicht gerade um hochgradige Poesie, spricht aber Schubert direkt an, weil der Verfasser
Schmidt von Lübeck - eigentlich Georg Philipp Schmidt - darin ureigene Gefühle in ihm wachruft. Durch die Identifikation mit dem lyrischen Subjekt des Wanderers
fordert er Schubert zur Identifikation mit sich selbst heraus.
Die Textpassage "Die Sonne dünkt mich hier so kalt, die Blüte welk, das Leben alt, und was sie reden leerer Schall, ich bin ein Fremdling überall" versieht
Schubert mit einem daktylischen Rhythmus (schwer-leicht-leicht) und prägt damit den Wanderrhythmus. Es ist einer der Grundrhythmen der Musik Schuberts, beladen
mit den Symbolen des Fortgangs, des Abschiedes, des Todes.
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