Leonberger Kreiszeitung vom 18. Oktober 1999

Chopin federnd leicht interpretiert
Der Pianist Pavlos Hatzopoulos überzeugt bei "Neugebauers Abend" auf der Solitude

...Ganz anders als beispielsweise Horowitz interpretierte Hatzopoulos dann die berühmte Ballade Nr.1 g-Moll op.23. Die dramatischen Konturen kamen nie zu kurz. Das in schweren Oktavengängen aufsteigende Largo besaß sogleich tragische Wucht. Hatzopoulos gelang das Kunststück, Schwere und Leichtigkeit bei dieser Ballade zu filigranem Ausdrucksreichtum zu bündeln.
Die grausame Geschichte um den litauischen Helden Conrad Wallenrod gewann plastische Präsenz. Wild erregte Passagen stürmten auf die Katastrophe des Presto con fuoco zu. Und selbst bei den niederschmetternden fünfzehn Schlussakten mit den in Oktaven und Dezimen aufschießenden Skalen gelang es Pavlos Hatzopoulos, das transparente Klangbild ohne dumpfes Dröhnen oder artistisches Getöse vollständig zu erhalten...

...Pavlos Hatzopoulos erwies sich dabei als Meister dynamischer Ökonomie. Die unterdrückt lodernde Leidenschaft seines Vortrags kam erst in den letzten Takten zum vollen Ausbruch. Das war Tonmalerei hohen Ranges. Man merkte, dass Hatzopoulos dieses Werk nicht nur genau studiert, sondern auch in seinem geistigen Gehalt ungewöhnlich intensiv und eindringlich erfasst hatte...